Historische Schweizer Militärseilbahnen
Risetenpass, Pragelpass und Jungfraujoch-Rottalsattel


1. Video von 1944: Militärseilbahn Jungfraujoch - Rottalsattel

2. Militärseilbahn über den Risetenpass

3. Militärseilbahn über den Pragelpass

4. Bau einer Militärseilbahn im Toggenburg Iltios - Hinderrisi




1. Video von 1944: Die Militärseilbahn Jungfraujoch - Rottalsattel


Film-Rarität: Video-Trailer der transportablen Militärseilbahn Jungfraujoch - Rottalsattel [2 Sektionen], Endstation auf fast 4000 müM:
(Die gezeigten Fahrten fanden auf der 1. Sektion statt, da die 2. Sektion - wie im Video zu sehen - gerade im Aufbau war.)



Quellen:

Video: Schweizer Armee ZEM; VBS/DDPS; Mit freundlicher Genehmigung.
       Der ungekürzte Originalfilm von 1944 mit technischem Kommentar 
       des Armee-Filmdienstes mit dem Titel 'Seilbahnbau im Hochgebirge'
       kann in der Historischen Armee Mediathek online gesehen werden.
Audio: Unlimited Motivation by Sergio Prosvirini; CC; https://pixabay.com/ Blockbuster 2 by Rafael Krux; CC BY; https://www.orchestralis.net/





Eine Militärseilbahn-Transportkette

Walenstadt-Risetenpass-Glarus-Pragelpass-Schwyz


Der Bereich der Festungen um Sargans war mit dem Reduit für den Kriegsfall nur ungenügend verbunden, besonders im Winter. Für Nachschub zu den Festungen im Sarganserland und für Verwundeten-Verlegungen aus dem historischen unterirdischen Militärspital Lochezen/Walenstadt errichtete das Militär deshalb ab 1939 eine Notverbindung zum Inneren des Reduits unter Umgehung der allenfalls gesperrten Wege beim Kerenzerberg oder in der Linthebene. Diese Transportkette führte via 2 Militärseilbahnen (MLS) über den Risetenpass (4.8 km in 2 Sektionen) und den Pragelpass (9.6 km in 3 Sektionen):


Bild: Militär-Seilbahnen (blau), Strassentransport (rot).


Nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Eidgenössische Militärdepartement Material österreichischer k. u. k. Militärseilbahnen erwerben. Dieses Material wurde ab 1939 nebst zusätzlichem eigenem Material für Militärseilbahnen über den Risetenpass und den Pragelpass verwendet:



2. Die Militärseilbahn Risetenpass:

Linienführung: Riseter-Unterstafel (im Chrauchtal) -- Risetenpass -- Oberer Plattnerboden -- Walabütz/Untersäss (im Weisstannental).

Fotogalerie (Bilder anklicken)

(Basierend auf Luftbild-Dienst 1946 swisstopo)

MLS_Risetenpass_Luftaufnahme.jpg
MLS Risetenpass Gesamtbild
Risetenpass.jpg
Station Risetenpass
Unterstafel_Chrauchtal.jpg
Station Unterstafel Chrauchtal
Walabuetz.jpg
Station Walabütz (Untersäss)



Linienführung auf der Landeskarte; swisstopo.


Die Fahrzeit über den Pass dauerte etwa 40 Minuten. Eingesetzt wurden an das Zugseil kuppelbare Laufwagen mit je bis 500 kg Ladegewicht. Für den minimalen Abstand zwischen den Wagen galt als Richtwert 400 m bzw. 200 Sekunden, was einer Geschwindigkeit von 2 m/s oder 7.2 km/h entspricht.



Der St. Galler Osteingang der Passstation auf dem Risetenpass:

(Darauf standen zwei Holzbaracken [Unterkünfte], an der Decke sind noch Ueberreste der Wagendurchführungs-Schienen zu sehen.)




Der Glarner Westeingang der Passstation auf dem Risetenpass







So sahen die noch intakten Durchführungsschienen an den Baumstämmen aus, hier eine kuk-MLS.


Die Übergabe-Station auf dem Risetenpass wurde 2004 abgebaut.




Arbeiten am lawinengeschützten Mast (Nr.6) auf der Glarnerseite.



Der Mast mit der 'Kryptonummer' 10/10a/11 auf dem Oberen Plattnerboden mit spezieller Geschichte.
Das Foto verdankt seine Existenz dem Einsturz des Vorgänger-Mastes, wie weiter unten beschrieben:


Foto: Ersatzmast Nr. 10/10a/11 im Aufbaustadium (noch ohne Zugseilführungen) und Werkbahn am 8.8.1941



Bild: Das mächtige Fundament dieses komplexen Mastes 10/10a/11 am Abgrund ist heute noch gut erkennbar, ebenso dasjenige
des später noch erwähnten wichtigen Mastes 9 (Einsturz Mast 10/10a/11) in nur 100 m Abstand; [Luftbild swisstopo].


Dieser Maststandort hat eine umfangreiche Geschichte: Ursprünglich war auf dieser Kante des Oberer Plattnerboden ein Doppel-Mast (Nr.10/11) geplant und richtig berechnet worden. Bei dessen Bau wurde aber zusätzlich ein Zwischenmast ('sicher ist sicher') eingefügt, was zur Nummer (10/10a/11) führte. Dieser Mast stürzte beim Einzug des zweiten Tragseils ein. Verschiedene Ursachen wurden in Betracht gezogen (zu schwach [Berechnungen waren allerdings korrekt], ungeeignetes Holz, Fehler beim Aufbau und - Sabotage). Das vorletzte Foto zeigt den danach folgenden Ersatzmast im Aufbau. Warum da der Mast Nr. 9 ins Spiel kommt, wird weiter unten bei der 'Spurerweiterungs-Diskussion' dokumentiert.


Vom lawinengeschützten Mast Nr. 6 findet man heute noch den gemauerten Schutzkeil:


Bild: Lawinenkeil (oben im Bild) am Aufstiegsweg zum Risetenpass auf der Glarner Seite; [Luftbild swisstopo].



Interner Link: Interessante Original-Korrespondenz-Schnipsel zum Bau der Militärseilbahn Risetenpass



Für die lange und beschwerliche Reise verwundeter Soldaten musste in Matt/GL ein Zwischenhalt eingefügt werden. Hier war eine unbedingt nötige Ruhepause in einem rückwärtigen Militärspital der Reduitregion Sargans vorgesehen, bevor es über den Pragelpass weiter ging:


Bild: Das Dorf Matt/GL im Sernftal um 1942; Foto Schönwetter, Glarus.






3. Die Militärseilbahn Pragelpass:

Linienführung: Guetentalboden -- Pragelpass -- Hinter-Richisau -- Vorauen.

Die Bahn hatte insgesamt 53 Seilstützen/ Pfeiler/ Masten. Die gesamte Fahrzeit mit kurzen Aufenthalten an den Winkelstationen dauerte etwa 90 Minuten (bei v = 7.2 km/h)
Sektion A, Guetentalboden - Pragelpass: Horizontal-Länge 2500 m, 15 Pfeiler
Sektion B, Pragelpass - Hinter-Richisau: Horizontal-Länge 3700 m, 20 Pfeiler
Sektion C, Hinter-Richisau - Vorauen: Horizontal-Länge 3150 m, 18 Pfeiler
Totale Horizontal-Länge: 9350 m, Tragseildurchmesser: 26 mm, Zugseildurchmesser: 14 mm. Maximal-Distanz zwischen Pfeilern: i. d. R. 400 Meter.

Fotogalerie (Bilder anklicken)

(Basierend auf Luftbild-Dienst 1946 swisstopo)


Guetentalboden (Muotatal)-Pragelpass

Rragelpass-Richisau

(Bild etwas aus Nord-Ausrichtung verdreht)

Richisau-Vorauen (Klöntalersee)



Linienführung auf der Landeskarte; swisstopo.



Bild: Winkelstation (Durchgangs-Station, Auskuppeln, Durchschieben und Neu-Einkuppeln der
Wagen) in Hinter-Richisau und Doppel-Mast B 19/20 in Richtung Pragelpass; Landesarchiv Glarus.





Bild: Die Reste der Winkelstation heute an der ausgebauten Pragelpass-Strasse an der Kantonsgrenze GL/SZ.




Bild: Reste dieser Winkelstation heute in einem Luftbild von swisstopo.





Bild: Mastgruppe B19/B20),
Montage Tragseil-Sattelträger am B19.
Bild-Quelle: https://messmer.ch/geschichte/




Bild: Zwei Masten der Sektion Vorauen - Richisau und oben bereits gezeigte Winkelstation Richisau und Mastgruppe B19/B20.



Bild: Die Winkelstation Richisau, 3 Masten und sichtbare Seilteile aus anderer Perspektive.



Bild: Die Talstation der Pragelbahn in Vorauen am Klöntalersee.



Bild: Talstation Vorauen und Wald-Schneise am Abhang der Schwammhöhe.



Bild: Teil der Winkelstation auf dem Pragelpass [weisser Pfeil links im Bild], alte Passkapelle und altes Pass-Restaurant um 1950.



Interner Link: Interessante Original-Korrespondenz-Schnipsel zum Bau der Militärseilbahn Pragelpass







Seltene MLS-Dokumentation:

4. Bau einer Militärseilbahn im Toggenburg

Iltios/Stofel - Alp Hinderrisi; Auf- und Abbau)


1959 existierte für kurze Zeit eine exklusive Militär-Lufseilbahn an der Nord-Ost-Flanke des Chäserruggs (Churfirsten).
Eine interessante Dokumentation dazu findet sich in Technische Mitteilungen für Sappeure, Pontoniere und Mineure 1960 / Nr. 2:

Bau einer Militärseilbahn im Toggenburg; Haas, P. (pdf-Datei)








Ergänzungen zur Risetenbahn, Pragelbahn und Lochezenbahn





Der imposante Chälenbock [Kälenbock] der Militärseilbahn über den Pragelpass

Im Bild links ein Rekonstruktions-Versuch des weiter oben erwähnten Chälenbocks. Dieser Sechsfach-Mast B 13-18 und der 1070 Meter (!) entfernte und 300 Meter tiefer gelegene Nachbar-Doppelmast B 19/20 wurden bei oben dokumentiertem Unfallrapport erwähnt. Die Zugseil-Führungseinrichtungen sind auf dem Bild noch nicht montiert. Die Rekonstruktion basiert auf einem Original-Foto des Dreifach-Mastes (Bock 10/10a/11 Oberer Plattnerboden) der etwa zeitgleich im Bau befindlichen Militärseilbahn über den Risetenpass.





Während die MLS-Risetenpass und die MLS-Pragelpass nie auf einer zivilen Landkarte (Siegfried-Karte) erschienen, entwischte die MLS-Lochezen offenbar der militärischen 'Landkarten-Zensur': Die MLS-Lochezen tauchte 1944 in der Siegfriedkarte auf (siehe Bild links) und verschwand erst 1954 auf der neuen Landeskarte. Das hat komplexe Gründe, deren Behandlung hier zu weit führen würde.

Genaueres zur militärischen 'Landkarten-Zensur':

https://www.swisstopo.admin.ch/de/kartengeheimnisse



Luftbild-Geometrie


Der folgende Luftbild-Ausschnitt der Sektion B der Risetenbahn zeigt, dass die direkte Verbindungsgerade durch Tal- und Bergstation den Mast 10/10a/11 (und auch den Mast 9) geringfügig 'verfehlt'. Dies hat nichts mit 'Ungenauigkeit' zu tun, sondern liegt daran, dass das Luftbild nicht genau 'senkrecht' über der Bahn aufgenommen wurde. Wären die Seile der Bahn auf dem Luftbild zu sehen, gingen sie natürlich genau über die Masten, dafür wäre ihr Verlauf auf dem Foto aber nicht völlig geradlinig:






Im Innern von Motoren-Stationen bei grossen, stationären Militärseilbahnen


Folgende beiden Bilder zeigen k.u.k.-Militärseilbahnstationen vergleichbarer Bauart zu denjenigen der Risetenpass- und Pragelpass-Bahn in Oesterreich:


Bilder: Deutlich sind die Trennung von Antriebsgetriebeblock und Motorblock, sowie die Laufwagen-Durchschiebe-Schienen zu sehen. [Wiki-Commons]




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Links zu verwandten Themen:

Zivile und militärische historische Luftseilbahnen im Sarganserland u.a. Militärseilbahn Bad Ragaz-Furggels/St. Margretenberg

Bild-Dokumentation einer heutigen Begehung des historischen unterirdischen Militärspitals Lochezen/Walenstadt

Dokumentation des historischen unterirdischen Militärspitals Lochezen/Walenstadt (dort nach unten scrollen zum Jahr 1941 )

A. Oehler: Die Militär-Seilbahnen der schweizerischen Armee im Weltkrieg 1939 bis 1945 [ETH-Bibliothek]