Walserdorf Sankt Martin Calfeisental, historische Walsersiedlung
Chilchlichopf/ Chirchlichopf, Fridhöfli/ Friedhöfli, 'Grösste Fichte'

1348 erhielten einige Walserfamilien die Alp Sardona als Lehen vom Kloster Pfäfers. So entstand eine Kolonie von rund 100 Personen in 12 Familien. Um 1380 wurde das heute noch stehende Kirchlein St. Martin gebaut. Der Pfarrer von Weisstannen kam jährlich viermal über den Heidelpass (etwa 7 Stunden) und las Stiftmessen für die Hirten. Weitere Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen wurden von Priestern des Klosters Pfäfers zelebriert.

Bild links: Gipfelkreuz auf dem Chilchlichopf (Walser: 'Ancapaa') über der historischen Walsersiedlung Sankt Martin.
Bild rechts: Ausblick vom Chilchlichopf in Gegenrichtung:

Chilchlichopf St Martin Calfeisental
Bild: Das Gipfelkreuz auf dem markanten Felskopf Chilchlichopf / Ancapaa über Sankt Martin und der Stausee Gigerwald.




Bild: Sankt Martin und Gigerwald-Stausee ungefähr in Richtung Ost betrachtet.



1. Der Chilchlichopf (Chirchlichopf) / Ancapaa

Das Gipfelkreuz auf dem Chilchlichopf kann über einen unmittelbar vor der Tellerbach-Brücke beim Dörfcheneingang abzweigenden 'Uferweg' erreicht werden. Die Abzweigung ist nicht immer gut sichtbar [Vegetation]. Später - wenn es dann 'richtig' aufwärts geht - wird der Weg sehr gut. Auf der Anhöhe Chilchlichopf erreichen wir schliesslich eine Weggabelung:


Bild: Die Weggabelung zum Chirchlichopf (Landeskarte 'Chilchlichopf') und zum Fridhöfli/ Friedhöfli, sowie zur 'Grössten Fichte'.




Bild: Gipfelkreuz mit Gipfelbuch. Eindrucksvolle Sicht auf Sankt Martin und das Calfeisental. Im Hintergrund der Stausee Gigerwald und das Zufahrts-Strässchen.




Bild: Auf dem Chilchlichopf-Gipfel.





Bild: Sankt Martin vom Chirchlichopf aus gesehen. Das historische Zufahrts-Strässchen ist vom Stausee (seit 1976) überflutet.




Bild: Der Chilchlichopf vom Weg auf den Heuberg aus gesehen.





Bild: Das Gipfelkreuz Chirchlichopf am Ende des Waldweges auf dem 'Grat'.



2. Das Dörfchen Sankt Martin

Zwei Fotos aus der Zeit vor dem Bau des Stausees (1976) und mit unterschiedlicher Anzahl Gebäude.
Das Zugangs-Strässchen windet sich aus der Tiefe des späteren Stausees herauf:


Bild links: 1940er-Jahre(?), man beachte die Brücke am historischen Ort über die Tamina; Bild rechts: Um 1960.




Bild. Der ursprüngliche Zugang bis ca. 1975 unterhalb der Kirche.




Bild: Der Chilchlichopf/ Ancapaa mit Gipfelkreuz über den Dächern von Sankt Martin.




Bild: Historische Walsersiedlung St. Martin.
Das Wasserrad und links davon der Wasserzufluss deuten auf ein modernes im Keller des Hauses 'verstecktes' autarkes Klein-Elektrizitätswerk hin.





Bild: Auf der 'Dorfstrasse' von St. Martin. Im Hintergrund Chilchlichopf / Ancapaa.




Bild: Umgenutzter 'Gaden'.




Bild: Schutzkreuz über Joseph Martins Hüttli am Vorplatz des Kirchleins.




Bild: Ein Schutzkreuz über dem Kirchenplatz etwa am selben Ort ist schon auf einer alten Ansicht zu erkennen (1940er Jahre oder früher).




Bild: Links von vorher gezeigtem Häuschen weitere historische Häuser, rechts das Mesmerhaus von 1588.



Das letzte Grabkreuz des Friedhofes ist jenes von Peter Sutter. Es zierte nach dem Aufgeben der Walsersiedlung während Jahrhunderten den Turm des Kirchleins. Heute befindet sich dieses letzte, schmiedeiserne Kreuz der freien Walser im Ortsmuseum Vättis.
(Quelle: Förderverein pro Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental.)

Das heutige Kirchturm-Kreuz ist eine Kopie des Originals.


Bild: Das Kirchlein von St. Martin, erbaut im 13. Jhdt., das älteste noch erhaltene Gebäude.

Patron wurde der heilige Martin, ein beliebter Heiliger bei den Walsern. Weil er nichts zu verschenken hatte, zerschnitt er seinen Mantel in zwei Teile und gab davon den einen Teil einem Bettler. Diese Szene ist auf dem Altarbild und rechts in einer geschnitzten Reiterstatue festgehalten. Der derzeitige Altar im Kirchli stammt aus dem Jahr 1709. Das Kreuz und die St. Martin-Statue rechts sind Votivbilder eines dankbaren Älplers und sind sehr alt. Am Altar stehen die Statuen vom St. Martin und dem heiligen Pirmin, dem Gründer des Klosters Pfäfers (Nachbildungen, Originale im Orstmuseum Vättis).





Bild: Diese Kreuz-Kopie heute auf dem Kirchturm von Sankt Martin.
(Original im Ortsmuseum Vättis.)



Mitte des 16. Jahrhunderts zogen viele Walserfamilien in mildere Gegenden wie Weisstannen, St. Margretenberg, Gams und Malans. Die Höfe wurden als Alpen an die Gemeinden Malans und Vilters verkauft. Lawinen, Steinschlag und eine Verschlechterung der klimatischen Verhältnisse erschwerten zunehmend ein ganzjähriges Verbleiben. 1652 zogen die letzten Walser nach Vättis aus.



3. Fridhöfli / Friedhöfli der freien Walser im Calfeisental

Das Rutschgebiet des Tellerbaches trennt das Friedhöfli vom Dörfli St. Martin mit dem Kirchli. Kirche und Friedhof befinden sich in auffallender Distanz. Warum? Vor allem im Winter war das Kirchlein für die Bewohner des mittleren und hinteren Calfeisentals kaum zugänglich. Deshalb ist wahrscheinlich ausserhalb von St. Martin dieser Friedhof entstanden. Das Siedlungsgebiet hat von St. Martin bis zu hinterst im Tal, zur Alp Sardona gereicht. Mehr als ein Dutzend Hosteten, Plätze der früheren Hofgebäude, sind verstreut auf der ganzen Sonnenseite des Calfeisentals noch deutlich sichtbar.
(Quelle: Förderverein pro Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental.)


Der Weg zum Fridhöfli und zur 'Grössten / Dicksten Fichte' via Chilchlichopf / Ancapaa ist anfangs der selbe wie auf den Chilchlichopf bis zum weiter oben gezeigten Wegweiser. Die Landeskarte ist für unsere beiden weiteren Ziele etwas summarisch. Darum im Folgenden ein Luftbild:



Luftbild: swisstopo (Der Wegverlauf ist qualitativ eingezeichnet)

Im Wald drin führt uns ein Wegweiser (auf vorangehendem Bild gelb eingekreist) nach rechts auf den nun weniger steilen Weg:






Fridhöfli_Friedhöfli
Bild: Das Fridhöfli / Friedhöfli; Gedenkkreuze für das historische 'Friedhöfli der Freien Walser'.





Bild: Ueber den Winter 'stellen sich die Kreuze jeweils um'.

Die jetzt vorhandenen, neuen Holzkreuze am Platz des Friedhofes auf der Alp Egg erinnern an die Besiedelung des Calfeisentals durch freie Walser von ca 1300 bis zum Jahree 1652. Das Leben war zu karg geworden. Die Walser sind zu tieferen Lagen weitergezogen.
(Quelle: Förderverein pro Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental.)


Fridhöfli_Friedhöfli
Bild: Das Fridhöfli / Friedhöfli; Die drei Gedenkkreuze etwas unterhalb des Zugangsweges.





Bild: Friedhöfli in Richtung Sardona-Alp.




Fridhöfli_Friedhöfli
Bild: Einsame Kreuze als Zeugen für das historische Fridhöfli/ Friedhöfli.



4. Die 'dickste / grösste Fichte'



Bild: Die über 300-jährige Fichte mit vielen Attributen wie 'Grösste Fichte'/'Riesen-Fichte'/'Rekordfichte' oder auch 'Dickste Fichte' der Schweiz.
Die an den Bildrändern scheinbar schräg stehenden Bäume lassen die Neigung des Geländes erahnen.


Ob nun die 'mächtigste Fichte' im Göscheneralp-Tal oder hier oben steht, sei dahingestellt (wahrscheinlich weder noch).
In seinen über 300 Lebensjahren wird der gut 30 Meter hohe Baum ob Sankt Martin jedenfalls sicher schon einiges gesehen haben ...





Bild: Infotafel auf dem Rastplatz unter der 'Rekordfichte'.





Bild: Die 'Rekordfichte' in Richtung Sardona-Alp.




5. Für 'Verkehrswege-Historiker'

Quelle der folgenden Landkarten: Eidgenössische Landestopografie swisstopo

Landeskarten von vor und nach 1976 übereinander gelegt zeigen u.a. die im Gigerwald-Stausee versunkene alte Strasse nach Sankt Martin:





Die entsprechende Siegfriedkarte von 1889 zeigt noch eine Naturbrücke (heute im Stausee) über die Tamina. Diese Naturbrücke ist aber
bereits nicht mehr Bestandteil des nördlichen Zugangsweges nach Sankt Martin und durch eine künstliche Brücke etwas bachabwärts ersetzt:





Die entsprechende Situation auf der Dufourkarte von 1859, wo sich zwei Zugangs-Wege ab Vättis bei der Naturbrücke vereinen.
Hier ist die Naturbrücke noch eingebundener Teil in der nördlichen Wegvariante nach Sankt Martin:





Die Dufourkarte von 1859 zeigt wahrscheinlich noch die ursprünglichen historischen Verläufe der zwei Verbindungs-Wege Vättis - Sankt Martin:




Wie mehrfach oben gezeigt führte der historische Weg vor St. Martin über eine Brücke (heute führt eine Brücke nach St. Martin über die Tamina). Nach der Brücke führte der Weg/das Strässchen bis zum Bau des Stausees am Abhang unter dem Kirchlein durch:

Deutlich ist auf folgendem Foto die alte Zufahrt nach Sankt Martin nördlich der Tamina zu sehen:


Bild: Sankt Martin 1927; Foto: swisstopo.




Bild: St Martin in den 1960er-Jahren



Verkehrsführung bei der Staumauer

Folgende Abbildung zeigt das Strässchen nach St. Martin vor dem Staumauerbau, wie es aus heutiger Sicht unter der Staumauer verschwindet. Der weisse Pfeil zeigt den Standort des Fotografen des historischen Fotos rechts.






Bild: Diese Situation 1927; Foto: swisstopo.




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